Bericht der Bietigheimer Zeitung vom 23.12.2011
SACHSENHEIM/BIETIGHEIM-BISSINGEN, 23. DEZEMBER 2011
Auf dem Bietigheimer Thron
Stephanie Ludwig aus Sachsenheim ist die Prinzessin der Wobachspatzen
Man muss nicht aus Bietigheim kommen, um den Verein der Wobachspatzen während der "fünften Jahreszeit" zu vertreten. Die 21-jährige Stephanie Ludwig wurde am 11. November zu "Stephanie I." gekrönt.

Stephanie Ludwig hat in den vergangenen Jahren an vielen
Vereinsausflügen der Bietigheimer Wobachspatzen teilgenommen, doch die diesjährige Fahrt zu den Bavaria Film Studios in München wird der 21 Jahre alten Großsachsenheimerin wohl noch lange in
Erinnerung bleiben. Dort wurde sie - "urplötzlich und für mich völlig überraschend" - von der Frau des Präsidenten der Spatzen, Kitty Markowis, angesprochen, ob sie den Verein während der laufenden
Kampagne nicht gerne als Prinzessin repräsentieren würde. Mit den Worten "Du kannst ja gerade sowieso nicht tanzen, willst du also nicht unsere Prinzessin sein" habe man ihr den Posten schmackhaft
gemacht. Doch diese Formulierung habe laut Stephanie Ludwig keineswegs etwas damit zu tun, dass sie keine Begabung fürs Tanzen hätte. Im Gegenteil - die junge Großsachsenheimerin, die als
pharmazeutisch-technische Assistentin in einer Bietigheimer Apotheke arbeitet, tanzte seit insgesamt 19 Jahren für verschiedene Garden der Wobachspatzen. Dass sie die Garde gegenwärtig nicht
tänzerisch unterstützen kann, hängt mit einer Sprunggelenksverletzung zusammen, die sie sich in diesem Jahr zu Hause zugezogen habe. "Tanzen ist schon immer meine große Leidenschaft", sagt die
21-Jährige, die sich nun innerhalb des Vereins "zwangsweise etwas Neues suchen musste".
Nach einigen Wochen Bedenkzeit habe sie sich dafür entschieden, in den kommenden Monaten als unter dem Titel "Ihre Lieblichkeit Prinzessin Stephanie I., von Tanz und Brauchtum" die Bietigheimer
Wobachspatzen bei zahlreichen Anlässen zu vertreten. Nicht von der Seite weichen wird ihr hierbei "Seine Tollität Prinz Kay I., von den vier Ringen", der von der aktuellen Prinzessin gewissermaßen
angeworben wurde. Prinz Kay, der jenseits seiner närrischen Amtspflichten eigentlich Kay Küstner heißt und aus Ilsfeld-Auenstein stammt, hatte Stephanie Ludwig vor längerer Zeit einst im Spaß
zugesagt: "Wenn du einmal Prinzessin wirst, mache ich den Prinzen." Stephanie Ludwig lacht, wenn sie sich daran erinnert, wie sie ihn an sein einstiges "Versprechen" erinnerte. Die offizielle
Inthronisation des hoheitlich-närrischen Paares fand bereits am 11. November statt, doch der Monat November ist Ludwig nicht nur deshalb noch gut in Erinnerung, weil sie damals das erste Mal das
prunkvolle Ornat anlegen durfte, sondern weil sich in diesem Monat Ordensabend an Ordensabend reihte - und jeder der Veranstaltungen repräsentative Pflichten nach sich zogen. Im Dezember gehe es
traditionell ruhiger zu, doch bereits im Januar wird das Paar Richtung Talheim aufbrechen, um dort der Inthronisierung eines anderen Prinzenpaares beizuwohnen.
Um als Prinzessin bei den befreundeten Vereinen stets einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, hat sich Stephanie Ludwig ein türkis-blaues und ein rotes Kleid gekauft, über denen sie einen
prunkvollen Umhang trägt, der innerhalb des Vereins bereits seit 28 Jahren von Prinzessin zu Prinzessin weitergereicht wurde.
Auf den Februar wartet Ludwig bereits mit großer Spannung, denn dann stehen Prunksitzungen, die Kinderfasnet oder der Schmutzige Donnerstag in ihrem Kalender. Ihre Entscheidung, den Verein zu
repräsentieren, öffnet der Sachsenheimerin am Faschingsdienstag sogar die Tore des Stuttgarter Schlosses. An diesem Tag werden dort die Prinzenpaare des Landesverbands württembergischer
Karnevalvereine (LWK) von Ministerpräsident Winfried Kretschmann willkommen geheißen. Aufgrund des direkten Drahts des Prinzenpaars zum Elferrat muss sich Prinzessin Stephanie I. den ganzen Februar
keine Sorgen über die Heimfahrt machen - "das Prinzenpaar hat das Glück, immer abgeholt zu werden", sagt sie.
Redaktion: MICHAEL KRAUTH
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